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Zweiter Zwischenbericht

 So, hier mal wieder ein Eintrag, dieses mal direkt vom Zwischenbericht kopiert. Leider hat mein Laptop ein Problem, daher von einem anderen geschrieben und das ganze ohne Umlaute. Hoffe euch stoerts nicht zu sehr

 

Liebe Leserinnen und Leser,

nach langem Schweigen melde auch ich mich nun wieder. Hoechstwahrscheinlich wird das aber der letzte Bericht von mir sein, solange ich noch in Uganda bin, denn bei einem Blick auf den Kalender sehe ich, dass der Tag der Abreise immer naeher kommt. Nicht mal einen Monat mehr werde ich hier in Buyoga und in der Pearl of Africa verbringen und in den vergangenen Monaten ist so einiges passiert, was ich gerne mit euch teilen wuerde. Zu Beginn muss ich mich allerdings fuer die Form dieses Briefes entschuldigen. Waehrend meinem Aufenthalt hier hat mir mein mitgebrachter Laptop treu gedient, doch vor zwei Monaten hat dieser beschlossen die Arbeit niederzulegen und auf dem Bildschirm eine bunte Lichter-Show zu veranstalten. Daher schreibe ich diesen Bericht am Laptop von Pfarrer Joseph, welcher mit der englischen Tastatur keine Umlaute zur Verfuegung stellt. Aus gleichem Grunde gibt es hier nun auch keine Bilder, doch zum Ende des Briefes werde ich noch meinen Blog verlinken, wo noch etwas nachkommen wird. In der Hoffnung, dass diese kleine Umstellung nicht zu sehr stoert, viel Spass beim lesen...

Meinen letzten Rundbrief habe ich ja mit der Aussicht auf Weihnachten geschlossen. Daher erst mal ein paar Zeilen zu den Feiertagen in Uganda generell. An solchen Tagen platzt die Hauptkirche in Buyoga fast aus allen Naehten. Meist findet in der gesamten Gemeinde nur eine Messe hier im Zentrum statt, die von allen drei Priestern zusammen gehalten wird. Daher pilgern alle Leute, die eine Moeglichkeit finden, zum Gottesdienst zu uns. Da kommt natuerlich eine Menge zusammen. Der Chor faellt ebenfalls um einiges groesser aus und wird von verschiedenen Gruppen aus der gesamten Gemeinde zusammengestellt (normalerweise ist nur ein kleinerer Chor aus der Filialgemeinde, welche gerade an der Reihe ist, da). Zusammen mit der grossen Versammlung sorgt das dann fuer den noetigen Klang und die Lieder klingen dementsprechend sehr festlich, rhythmisch durch die Trommeln sowieso. An solchen Tagen dauert die Messe selbstverstaendlich auch um einiges laenger. Hier in Uganda ist es nicht ungewoehnlich, dass schon die ersten beiden Eingangslieder (eines waere ja zu wenig) zusammen zehn Minuten dauern. An Heilig Abend trudeln die Leute allerdings eher langsam ein, denn zu dieser Zeit ist es hier schon stockduster und Transport bei nacht birgt auch Risiken. Dennoch fuellt sich die Kirche mit der Zeit. Danach huschen die Besucher aber auch recht schnell wieder nach Hause. Wie es dann beim Abendessen bei den Familien aussieht, kann ich nicht selbst beurteilen, an diesem Abend habe ich zusammen mit den Pfarrern gespeist. Hierbei muss man sagen, dass man fuer ein Weihnachten natuerlich ein paar Umstellungen machen muss. Das der Schnee gefehlt hat, war vorhersehbar, dementsprechend hat mich das nicht wirklich interessiert. Beim Abendessen sah es allerdings etwas anders aus. Waehrend meine Familie wahrscheinlich einen Festbraten verspeist hat, gab es bei mir wie immer Matooke (Kochbananen-Brei), dazu Reis und...   Schweinedarm und –magen als Sosse gekocht. Grundlegend habe ich damit erstmal kein Problem, allerdings ist der Geschmack doch nochmal etwas spezieller als der von Sauren Kutteln aus Deutschland. Man beachte ebenfalls, dass bei einer ugandischen Metzgerei romantische Vorstellungen von einer Kuehltheke, sauberen Werkzeugen und nach hygienevorschriften verarbeitete Produkte, eher fehl am Platz sind. Eine durchschnittliche Metzgerei sieht hier etwa so aus: Holzhuette mit einem grossen Holzstamm zum Fleischhacken, eine ausgeleierte Waage mit verbeulter Schuessel, eine Machete zum „schneiden“, welche schon etliche Male nachgeschliffen wurde, eine Schweinehaelfte, die vom Schatten eines Vordaches „gekuehlt“ wird und unweit davon... meine Schweineinnereien, die von einem Holzstamm mit Fleischhaken herabhaengen. Oft gibt es noch ein paar Gluehbirnen, die vor dem Fleisch haengen, um die Muecken vom Fleisch wegzulocken. Folglich war meine Reaktion auf das Abendessen eher... zurueckhaltend. Gluecklicherweise ist mein Magen mittlerweile schon so einiges gewohnt und hat danach nicht rebelliert. Aus genannten Gruenden wird Fleisch hier immer gut durchgekocht und stellt damit keine grossen Probleme mehr dar. Dennoch, was in Deutschland unvorstellbar ist, zaehlt bei mir eben zum Alltag. Nach der langen Zeit von ueber elf Monaten in Uganda, habe ich mich schon an so viele Dinge gewohnt, dass mir vieles davon schon garnicht mehr auffaellt. Wer meinen Blog fleissig verfolgt hat, weiss ja, dass es mit der Verfuegbarkeit von Strom manchmal sehr abenteuerlich werden kann. Mit dem Wasser sieht das aehnlich aus. Bevor ich mich fuers Duschen fertigmache, gehe ich nun aus Gewohnheit erstmal nachschauen, ob auch Wasser aus der Leitung kommt und bei der Toilette hebt man sicherheitshalber auch erst mal den Spuehlkastendeckel an. Das Haus hier verfuegt zwar ueber hinreichend Leitungen, doch Pumpwerke gibt es nur in den Staedten. Unser Haus verfuegt ueber einen grossen Wassertank, der regelmaessig von einer Pumpe im Tal aufgefuellt wird. Dazu muss die eher alte Pumpe aber auch funktionieren und Strom muss auch da sein. Momentan ist das nicht der Fall und darum heisst es vor dem Badespass meistens Kanister vom Regentank zum Bad schleppen. Regen ist jetzt in der Trockenzeit aber auch knapp, alos heisst es sparen so weit wie moeglich. Vor einen Tagen habe ich wohl meinen Wasserspar-Rekord gebrochen. Mit abrasierten Haaren reichten etwa fuenf Liter Wasser zur Ganzkoerperpflege, davon kann sich Deutschland noch eine Scheibe abschneiden. Generell lernt man hier sparsamer zu Leben. Fuer die meisten Schueler, vor allem an Grundschulen, besteht das Mittagessen aus „Posho and Beans“, also Meisbrei und Bohnen als Sosse. Posho ist eigentlich nichts anderes als Maismehl, dass mit Wasser zu weichen Bloecken gekocht wird. Das klingt nicht toll und das ist es auch nicht wirklich. Selbst im Pfarrhaus, wo der Lebensstandard schon etwas gehoben ist, gibt es dieses Gericht mit Matooke recht oft. Viel mehr als Kohlenhydrate bietet dieses Essen natuerlich nicht, daher ist sehr verstaendlich, dass viele Leute hier recht anfaellig fuer Krankheiten sind. Da ich selbst in Deutschland ja ganz anders durchgefuettert wurde, merke ich davon noch nicht sehr viel, doch auf ausgewogene Ernaehrung freue ich mich langsam doch sehr. Fuer ein trockenes Pausenbrot mit dem unbeliebtesten Belag, den man sich nur vorstellen kann, wuerde ich gerade ueber Leichen gehen. Doch Uganda kennt auch die andere Extreme. Wenn es ums feiern geht, sehen die Dinge anders aus. Vor kurzem war ich zur Hochzeitsparty eines Bekannten eingeladen. Solche Feste werden je nach Bekanntheit der Familie und verfuegbaren Finanzen von bis zu 300 Gaesten besucht. Nach dem offiziellen Teil mit vielen Reden und Glueckwuenschen gibt es dann laute, sehr laute Musik und ganz ganz ganz viel Essen. Bei einem Fest in Uganda gilt: Das schlimmste was passieren koennte ist, dass ein Gast hungrig bleibt. Die Teller sind dementsprechend vollgeladen. Bei der Ausgabe wird mit Plastiktellern gearbeitet. Ein halber Teller Matooke, ein halber Teller Reis (auf solchen Veranstaltungen wird der Reis mit einer speziellen Baumrinde zusammengekocht und schmeckt seeehr gut), ein viertel Teller Kartoffeln und Gemuese, ein paar Stuecke Ananas und Wassermelone, eine Fanta, ein Bier und das beste... Luombo. Das ist der lugandische Name fuer eine spezielle Zubereitungsart von Fleisch. Da es sich hierbei um etwas teureres handelt, gibt es dass meist nur fuer Familienangehoerige, enge Freunde und Ehrengaeste. Um es zu kochen zerlegt man erst Fleisch in kleine Teile und packt es mit etwas Wasser, Gewuerzen und Gemuese in mehrere Bananenblaetter ein. Das Packet wird zugebunden und ueber mehrere Stunden langsam gegahrt. Dabei bekommt das Fleisch ein wunderbares Aroma durch die Blaetter und den Rauch. Die entsprechenden Gaeste bekommen dann je ein Packet mit Huhn und mit Rind. Die weichen Blaetter werden dann nach aussen aufgerollt und man erhaelt eine Art Schuessel in die man die Beilagen schieben kann, um die Sosse zu verteilen. Dort sitzt man dann, den Teller auf dem Schoss und mit gewaschenen Haenden... Die Schlacht kann beginnen. Da bei so vielen Gaesten das Besteck bei weitem nicht reicht, wird mit den Haenden gegessen, und da ist alles erlaubt. Dort sitzt man dann und schaufelt sich die Leckereien foermlich in den Mund bis nichts mehr geht. Dass jemand alles schafft, passiert nicht zu oft und selbst dann ist immer genug fuer einen Nachschlag da. Ich selbst verpasse meistens den kritischen Moment und esse bis zum Platzen, sowas gibt es eben nicht sehr oft. Meist liege ich dann Abends mit verkrampftem Magen im Bett aber mit dem Gefuehl: Das wars wert...    Billig ist es natuerlich nicht so ein Fest auszutragen, doch die Ugander haben in diesem Punkt ein anderes Verhaeltnis zum Geld. Oft passiert es, dass die Familie danach erstmal kuerzer treten muss, was ich zu Beginn als schwaebischer Sparfuchs garnicht verstehen konnte, doch das Feiern hat hier eben einen sehr hohen Stellenwert. Auch stoert mich manchmal das Bild, dass viele Gaeste die Familie „leerfressen“, doch das Ganze geht ja reihum und beim naechsten Fest ist es vielleicht umgekehrt. Am Ende geht es also eben auf und das System funktioniert irgendwie.

Nun noch ein paar Sachen zu meiner Arbeit. Wie gehabt unterrichte ich an einer weiterfuehrenden Schule zwei Klassen in Physik. Bald heisst es fuer mich die Examen zu verfassen, doch die traurige Realitaet ist, dass ich diese in die Obhut meines Kollegen geben muss, da ich zu diesem Zeitpunkt schon in die Heimat aufgebrochen sein werde. In der Krankenstation habe ich mich mittlerweile zu einem wertvollen Mitarbeiter entwickelt. Ich arbeite natuerlich immernoch im Team wenn es zur Bearbeitung der Akten und der Ausgabe von HIV-blockenden Medikamenten kommt. Allerdings weiss ich nun wie die Sachen laufen und muss hoechstselten etwas nachfragen. Den Schrank, der die Medikamente beinhaltet, kenne ich nun auswendig und die verschiedenen Dosierungen vielen Tabletten schreibe ich aus dem Kopf auf die Packungen. Es kam sogar schon soweit, dass ich zwei neuen Krankenschwestern, die gerade erst die Ausbildung abgeschlossen hatten, beim Einstieg geholfen habe und ihnen die Basics hier erklaere. Wenn ich bedenke, dass ich ausser meinen Erste-Hilfe-Kenntnissen keine medizinische Ausbildung habe, bin ich doch recht stolz darauf, was ich hier zusammen mit den anderen Angestellten leisten kann. Im Einsatz als Freiwilliger in einem weit entfernten Land sucht man immer wieder nach einer gewissen Bestaetigung, dass man irgendetwas ausrichten kann. Dabei hilft einem dieses Gefuehl natuerlich enorm und spornt einen zugleich an immer weiterzumachen. Da ich an manchen Tagen noch einige freie Stunden zu viel hatte, habe ich vor einigen Monaten noch zusaetzlich angefangen, in einer anderen Schule zu unterrichten, die sehr abgelegen ist. Dorthin komme ich entweder mit dem Motorrad oder auf dem Fahrrad des Pfarrhauses (und die koerperliche Ertuechtigung kann auch nicht schaden). Die Schueler dieser Schule liegen mir besonders am Herzen, da die Situation der Schule selbst sehr schwierig ist. Durch falsche administration vor einigen Jahren und Nachlaessigkeit bei den Standards sind immer mehr Schueler zu besseren Schulen abgewandert. Das ging soweit, dass jetzt nur noch 16 Schueler uebrig geblieben sind und die Schule kurz vor der Schliessung steht. Um Geld zu sparen wird die Lehrerschaft aus Freiwilligen aus der Gemeinde, Priesteranwaertern und eben mir gestellt. Also heisst es fuer mich zweimal woechentlich drei Schueler in der Klasse Senior 2 und gleichermassen 13 Schueler der Klasse Senior 1 zu unterrichten. Natuerlich kann man bei diesen kleinen Klassen sehr intensiv mit den Schuelern arbeiten, doch ist das nicht das keine Lernklima, dass eine Schule bereitstellen sollte. Ich kann nur mein bestes geben und vermitteln was moeglich ist. Der Gedanke, dass die Schule bald nach meiner Abreise geschlossen werden koennte, stimmt mich allerdings traurig. Diese wenigen Schuelern sind naemlich stets besonders froehlich, wenn ich auftauche. Dennoch werden auch jene bald andere Schulen besuchen muessen, die nicht naeher als 5 km sind, was einen langen Fussmarsch mit sich bringt. Doch davon lassen wir uns nicht abbringen und tun eben alles, was moeglich ist, um wie gehabt weiterzumachen.

Ja, viel Zeit bleibt mir nicht mehr und der Abschied rueckt langsam aber stetig naeher. Zu viel daran denken moechte ich nicht, da ich weiss, dass es gewiss nicht einfach wird. Doch nun moechte ich noch alles von diesem Land und diesen Menschen in mich aufsaugen und diese letzten Wochen so ausgiebig geniesen wie nur moeglich, denn so eine Gelegenheit habe ich wohl nur jetzt.

 

Nun nochmals vielen Dank fuers lesen, das war aus Uganda erstmal der letzte Eintrag, da es doch recht kompliziert war und ich sowieso an keine Bilder komme. In Deutschland gibts dann nochmal den ein oder anderen Nachtrag und viele Bilder.

 

Bis dahin, machts gut und bis bald,

Jonas

17.7.17 17:39


Lebenszeichen...

Hallo Ihr!

Jetzt war hier doch eine ganze Zeit Funkstille und es wäre besser ich schreibe mal wieder was, bevor dieser Blog noch wegen Inaktivität geschlossen wird. In der Zwischenzeit ist hier wieder einiges passiert und ich habe ja noch das Versprechen offen, das Clan-System Ugandas zu erklären.

Wie ich im letzten regulären Eintrag verkündet habe, wurde mir auch ein ugandischer Name aufgedrückt, nämlich „Yiga“ (gesprochen: Jiga). In Uganda gibt es ca. 50 Clans mit den verschiedensten Namen. Alle werden durch ein Tier oder ein bestimmtes Symbol repräsentiert. Mein Clan, der Clan der Antilope, heißt „Ngabi Clan“. Weitere Beispiele wären Ngo (Leopard), Nte (Kuh), Mbogo (Büffel), Balangira (Trommel), Mbwa (Hund), Nsenene (Heuschrecke), Njovu (Elefant), Ngaali (Crested Crane), usw. Der letzte Vertreter ist eine spezielle Kranichart, die es anscheinend nur in Uganda gibt und das Wappentier Ugandas ist. Auf dem Staatswappen ist zusätzlich noch mein Clan-Tier, die Antilope, abgebildet. Ihr seht, bei so vielen Clans der Überblick zu behalten ist nicht gerade einfach. Ich bin noch weit davon entfernt alle auswendig zu wissen. Doch was bedeutet die Clanzugehörigkeit für die einzelne Person? Zunächst ist man durch seinen Namen einem Clan zugeordnet. Jeder Clan verfügt über ca. 10 Namen. So wäre ein weiteres Beispiel für den Antilopenclan der Name Matovu. Wenn einem Mädchen ein Name gegeben wird, wird oft ein „Na“ vorne an den Namen hinzugefügt. Damit gehören Frauen, die Nayiga oder Namatovu heißen auch zu meinem Clan. Ugander betrachten ihren Clan als erweiterte Familie, darum ist jedes Mitglied automatisch ein Bruder oder eine Schwester. Aus diesem Grund ist ein Ugander (und auch ich) sehr froh, wenn er jemanden kennenlernt und sich herausstellt, dass diese Person zum gleichen Clan gehört. Oft begrüßt man sich dann nochmals und gibt sich nochmal die Hand. Seinen Namen bekommt man bei der Geburt und, soweit ich richtig informiert bin, wird einem ein Name vom Clan des Vaters gegeben. Die Clanzugehörigkeit beinhaltet allerdings auch kleine Regeln. Zum Beispiel sollte man das eigene Clan-Tier nicht essen. Ich esse also kein Antilopenfleisch (gibt es zum Glück sowieso nicht), Angehörige des Kuh-Clans essen kein Rindfleisch (oder sollten zumindest nicht) und Angehörige des Trommel-Clans essen keine Trommeln, leuchtet ein schätze ich. Des Weiteren ist es aus traditioneller Sicht nicht erlaubt, eine Person des gleichen Clans oder des Clans der Mutter zu heiraten. Eine Person des eigenen Clans ist schließlich wie ein Bruder/eine Schwester für einen selber und auch zum Vater (da der Vater ja zum gleichen Clan gehört). Das gleiche gilt dann auch für den Clan der Mutter, da Mutter und diese Person ja „Geschwister“ wären. Zu genau darf man das System natürlich nicht nehmen, doch früher war es der gängige Weg Heirat in der eigenen Familie zu vermeiden, auch wenn dadurch einige Personen betroffen sind, die an sich nicht Verwandt wären. Letztendlich hat in Uganda also jeder einen meist religiösen (meist vom Christentum oder vom Islam) Vornamen und einen ugandischen Clannamen. Eher selten haben Leute zwei ugandische Namen, es gibt manchmal auch Vornamen aus der Region Ostafrikas stammen. Ein weiterer Sonderfall sind Zwillinge. In diesem Fall wird nicht ein Clanname vergeben sondern die jeweiligen traditionellen Namen für Zwillinge. Wenn das erstgeborene Kind ein Junge ist, heißt es „Wasswa“, ein Mädchen „Babirye“. Wenn das zweitgeborene Kind ein Junge ist, heißt es „Kato“, ein Mädchen wiederum „Nakato“ (ihr seht, hier wird wieder ein „Na“ vorgeschoben). Wenn sich also jemand als „George Kato“ vorstellt, weiß man sofort, dass er der Zweitgeborene eines Zwillingspaares ist und dass er einen Bruder namens Wasswa oder eine Schwester mit dem Namen Babirye haben muss. Heutzutage spielt die Clanzugehörigkeit aber eine geringere Rolle als früher. Im Alltag ist das Ganze nicht sehr präsent, doch manchmal spielt es eine Rolle. In unserer Gemeinde gibt es zum Beispiel bald ein „Fundrising“, also eine Spendensammlung für Projekte der Gemeinde, bei der die verschiedenen Clans die Spenden unter sich sammeln und so mit den anderen Clans konkurrieren und so hoffentlich mehr Geld gesammelt wird.

Nun aber zu den letzten Geschehnissen hier in Buyoga. In der Zwischenzeit hatte ich Besuch von meinem Mentor aus Deutschland und auch von meinen Eltern. Das war mal eine nette Abwechslung um wieder deutsch zu reden und Neuigkeiten aus der Heimat zu bekommen. Außerdem konnte ich die Gelegenheit nutzen und ein paar andere Flecken des Landes zu besuchen. Kurze Zeit nach der Abreise der Eltern gab es bei uns eine große landwirtschaftliche Ausstellung auf dem Sportplatz und dem Gelände der Gemeinde. Es gab viele Stände mit ausgestellten Produkten der lokalen Landwirtschaft, darunter verschiedenste Kaffeesorten und die berühmten Rindenstoff-Produkte, welche aus der handwerklich bearbeiteten Rinde eines bestimmten Baumes gewonnen werden. Dazu gab es auch viele Handwerksprodukte, Arbeitsgeräte und sogar ein paar gefangene Tiere in Gehegen zu bestaunen (Schlangen, Affen, einen Strauß und einen jungen Leopard). Der Höhepunkt der Veranstaltung war aber der Besuch des Präsidenten Ugandas, Yoweri K. Museveni, und dass in unserer mickrigen Gemeinde. Der Besuch hat mir allerdings auch ein paar Umstände bereitet. Museveni sollte nicht nur die Ausstellung besuchen und eine Ansprache halten, nein, er sollte auch ein kurzes Gespräch mit dem Bischof unserer Diözese halten. Da auf unserem Hügelchen nicht viele Möglichkeiten vorhanden sind, dieses Meeting zu beherbergen, haben sich die Sicherheitsleute auch im Pfarrhaus nach geeigneten Orten umgesehen und sich kurzerhand für mein Büroräumchen entschieden. Für mich hat das bedeutet, alle meine Habseligkeiten in mein Schlafzimmer zu bugsieren, inklusive Mobiliar, keine einfache Aufgabe. Für 24 Stunden sollte ich also in meinem vollgepackten Zimmer hausen, in dem man fast keinen Schritt mehr machen konnte, ohne etwas umzustoßen. Die weiteren Maßnahmen sahen so aus, dass zwei Militär-LKW einen Abend vorher angerollt kamen, das gesamte Gelände gesichert haben und ihre Zelte um unser Haus herum aufgestellt haben. Ich habe bis dahin wohl noch keine so sichere Nacht verbracht. Am nächsten Morgen ging es dann weiter und zwei Herren der Security-Einheit kamen mit einem Spürhund, welcher ebenfalls das gesamte Haus „durchschnüffelte“, also Esszimmer, Büros, mein Schlafzimmer, die Schlafzimmer der Priester und unser Bad. Nachdem das alles erledigt war, ging es für mich dann auch zur Ausstellung. Als der Präsident dann kam, durfte ohnehin niemand in der Nähe des Pfarrhauses sein. Als alles vorbei war, kamen etliche Soldaten wieder aus ihren Ecken und Büschen hervor, alles wurde verladen und sie verschwanden so schnell wie sie gekommen sind. Die Ausstellung selbst zog sich über fünf Tage, begleitet mit ohrenbetäubenden Ansagen und Musik bis in die frühen Morgenstunden. In Uganda werden Lautsprecher ja ohnehin schon mal doppelt so stark aufgedreht, als in Deutschland, aber bei diesem Fest wäre das natürlich zu wenig gewesen. Ich sag es mal so: Unser Pfarrhaus ist 200 Meter vom Fußballplatz mit der Bühne entfernt und unsere Wände haben gewackelt. Zwischendurch hatte ich mich schon fast gefreut als der Strom ausfiel. Allerdings zu früh, die Veranstalter hatten vorgesorgt und die ganze Technik hing an einem großen Dieselgenerator…  Als dieses Fest vorbei war, hieß es für mich erstmal die nächsten Tage ausruhen und durchschlafen. Mittlerweile empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit für die Gesetze gegen Ruhestörung in Deutschland

Unsere Schulen haben das erste Trimester des neuen Schuljahres nun auch hinter sich und wir haben die Examen fertig korrigiert. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Drama-Wettbewerb zwischen den Häusern der Internatsschüler. Dazu gehörten verschiedene Auftritte mit Singen, kulturellen Tänzen und Schauspiel mit gesanglicher und rhythmischer Untermalung. Viele Essen durfte natürlich auch nicht fehlen, darum wurden, wie üblich auf solchen Festen, gehäufte Teller ausgegeben. Für einen Ugander ist das schlimmste was passieren kann ein Gast, der hungrig nach Hause geht.

Im Healthcare Center geht meine Arbeit wie gewohnt weiter und ich lerne mehr und mehr verschiedene Medikamente auswendig beim Namen und ihrer Dosierung. Am Anfang war das gar nicht so leicht, hier fängt einiges mit „Ce-„ an und hört sich fast gleich an: Cefalexin, Cetrizin, Cefuroxim, Coartem, Cefixim, ihr seht was ich meine… Wenn mal kurz Pause ist oder die Patienten noch in der Weiterbildung sind, fungiere ich gerne mal als Babysitter, vier von sechs Krankenschwestern haben Kleinkinder, die meistens im Pausenraum geparkt werden oder auf dem Rücken der Mutter schon die ersten Berufserfahrungen sammeln. Die Angestellten, die im Wochenplan gerade keinen Dienst haben, kümmern sich dann oft um die Kinder, oder eben ich. Seit einiger Zeit kann ich die kleinen Bälger auch schon auf den Arm nehmen, ohne das Tränen fließen (weiße Haut sieht eben sehr angsteinflößend aus ).

Die Ostertage liegen nun auch hinter uns, was wieder mal eine sehr stressige Zeit war. Messen gehen in Uganda ja ohnehin länger als in Deutschland und die Zeiten sind meist früh morgens oder spät abends, beides nicht unbedingt ein Fall für mich. Um nicht ganz untätig zu sein, habe ich dann unter Regie einer der Schwestern in unserer Gemeinde die Kirche mit Tüchern und Deko für die Festtage geschmückt, wodurch  ich mir einen Platz in der Ansage nach dem Gottesdienst gesichert habe.

So, nun  aber genug getippt für den Moment. Ich hoffe, dass ich nun wieder häufiger zu einem Eintrag komme. Das nächste Mal melde ich mich aber erst mit meinem zweiten Zwischenbericht, der nun im neunten Monat meines Dienstes fällig wird.

Bis dahin alles Gute und danke fürs lesen,

Jonas

2.5.17 20:17


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