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Lebenszeichen...

Hallo Ihr!

Jetzt war hier doch eine ganze Zeit Funkstille und es wäre besser ich schreibe mal wieder was, bevor dieser Blog noch wegen Inaktivität geschlossen wird. In der Zwischenzeit ist hier wieder einiges passiert und ich habe ja noch das Versprechen offen, das Clan-System Ugandas zu erklären.

Wie ich im letzten regulären Eintrag verkündet habe, wurde mir auch ein ugandischer Name aufgedrückt, nämlich „Yiga“ (gesprochen: Jiga). In Uganda gibt es ca. 50 Clans mit den verschiedensten Namen. Alle werden durch ein Tier oder ein bestimmtes Symbol repräsentiert. Mein Clan, der Clan der Antilope, heißt „Ngabi Clan“. Weitere Beispiele wären Ngo (Leopard), Nte (Kuh), Mbogo (Büffel), Balangira (Trommel), Mbwa (Hund), Nsenene (Heuschrecke), Njovu (Elefant), Ngaali (Crested Crane), usw. Der letzte Vertreter ist eine spezielle Kranichart, die es anscheinend nur in Uganda gibt und das Wappentier Ugandas ist. Auf dem Staatswappen ist zusätzlich noch mein Clan-Tier, die Antilope, abgebildet. Ihr seht, bei so vielen Clans der Überblick zu behalten ist nicht gerade einfach. Ich bin noch weit davon entfernt alle auswendig zu wissen. Doch was bedeutet die Clanzugehörigkeit für die einzelne Person? Zunächst ist man durch seinen Namen einem Clan zugeordnet. Jeder Clan verfügt über ca. 10 Namen. So wäre ein weiteres Beispiel für den Antilopenclan der Name Matovu. Wenn einem Mädchen ein Name gegeben wird, wird oft ein „Na“ vorne an den Namen hinzugefügt. Damit gehören Frauen, die Nayiga oder Namatovu heißen auch zu meinem Clan. Ugander betrachten ihren Clan als erweiterte Familie, darum ist jedes Mitglied automatisch ein Bruder oder eine Schwester. Aus diesem Grund ist ein Ugander (und auch ich) sehr froh, wenn er jemanden kennenlernt und sich herausstellt, dass diese Person zum gleichen Clan gehört. Oft begrüßt man sich dann nochmals und gibt sich nochmal die Hand. Seinen Namen bekommt man bei der Geburt und, soweit ich richtig informiert bin, wird einem ein Name vom Clan des Vaters gegeben. Die Clanzugehörigkeit beinhaltet allerdings auch kleine Regeln. Zum Beispiel sollte man das eigene Clan-Tier nicht essen. Ich esse also kein Antilopenfleisch (gibt es zum Glück sowieso nicht), Angehörige des Kuh-Clans essen kein Rindfleisch (oder sollten zumindest nicht) und Angehörige des Trommel-Clans essen keine Trommeln, leuchtet ein schätze ich. Des Weiteren ist es aus traditioneller Sicht nicht erlaubt, eine Person des gleichen Clans oder des Clans der Mutter zu heiraten. Eine Person des eigenen Clans ist schließlich wie ein Bruder/eine Schwester für einen selber und auch zum Vater (da der Vater ja zum gleichen Clan gehört). Das gleiche gilt dann auch für den Clan der Mutter, da Mutter und diese Person ja „Geschwister“ wären. Zu genau darf man das System natürlich nicht nehmen, doch früher war es der gängige Weg Heirat in der eigenen Familie zu vermeiden, auch wenn dadurch einige Personen betroffen sind, die an sich nicht Verwandt wären. Letztendlich hat in Uganda also jeder einen meist religiösen (meist vom Christentum oder vom Islam) Vornamen und einen ugandischen Clannamen. Eher selten haben Leute zwei ugandische Namen, es gibt manchmal auch Vornamen aus der Region Ostafrikas stammen. Ein weiterer Sonderfall sind Zwillinge. In diesem Fall wird nicht ein Clanname vergeben sondern die jeweiligen traditionellen Namen für Zwillinge. Wenn das erstgeborene Kind ein Junge ist, heißt es „Wasswa“, ein Mädchen „Babirye“. Wenn das zweitgeborene Kind ein Junge ist, heißt es „Kato“, ein Mädchen wiederum „Nakato“ (ihr seht, hier wird wieder ein „Na“ vorgeschoben). Wenn sich also jemand als „George Kato“ vorstellt, weiß man sofort, dass er der Zweitgeborene eines Zwillingspaares ist und dass er einen Bruder namens Wasswa oder eine Schwester mit dem Namen Babirye haben muss. Heutzutage spielt die Clanzugehörigkeit aber eine geringere Rolle als früher. Im Alltag ist das Ganze nicht sehr präsent, doch manchmal spielt es eine Rolle. In unserer Gemeinde gibt es zum Beispiel bald ein „Fundrising“, also eine Spendensammlung für Projekte der Gemeinde, bei der die verschiedenen Clans die Spenden unter sich sammeln und so mit den anderen Clans konkurrieren und so hoffentlich mehr Geld gesammelt wird.

Nun aber zu den letzten Geschehnissen hier in Buyoga. In der Zwischenzeit hatte ich Besuch von meinem Mentor aus Deutschland und auch von meinen Eltern. Das war mal eine nette Abwechslung um wieder deutsch zu reden und Neuigkeiten aus der Heimat zu bekommen. Außerdem konnte ich die Gelegenheit nutzen und ein paar andere Flecken des Landes zu besuchen. Kurze Zeit nach der Abreise der Eltern gab es bei uns eine große landwirtschaftliche Ausstellung auf dem Sportplatz und dem Gelände der Gemeinde. Es gab viele Stände mit ausgestellten Produkten der lokalen Landwirtschaft, darunter verschiedenste Kaffeesorten und die berühmten Rindenstoff-Produkte, welche aus der handwerklich bearbeiteten Rinde eines bestimmten Baumes gewonnen werden. Dazu gab es auch viele Handwerksprodukte, Arbeitsgeräte und sogar ein paar gefangene Tiere in Gehegen zu bestaunen (Schlangen, Affen, einen Strauß und einen jungen Leopard). Der Höhepunkt der Veranstaltung war aber der Besuch des Präsidenten Ugandas, Yoweri K. Museveni, und dass in unserer mickrigen Gemeinde. Der Besuch hat mir allerdings auch ein paar Umstände bereitet. Museveni sollte nicht nur die Ausstellung besuchen und eine Ansprache halten, nein, er sollte auch ein kurzes Gespräch mit dem Bischof unserer Diözese halten. Da auf unserem Hügelchen nicht viele Möglichkeiten vorhanden sind, dieses Meeting zu beherbergen, haben sich die Sicherheitsleute auch im Pfarrhaus nach geeigneten Orten umgesehen und sich kurzerhand für mein Büroräumchen entschieden. Für mich hat das bedeutet, alle meine Habseligkeiten in mein Schlafzimmer zu bugsieren, inklusive Mobiliar, keine einfache Aufgabe. Für 24 Stunden sollte ich also in meinem vollgepackten Zimmer hausen, in dem man fast keinen Schritt mehr machen konnte, ohne etwas umzustoßen. Die weiteren Maßnahmen sahen so aus, dass zwei Militär-LKW einen Abend vorher angerollt kamen, das gesamte Gelände gesichert haben und ihre Zelte um unser Haus herum aufgestellt haben. Ich habe bis dahin wohl noch keine so sichere Nacht verbracht. Am nächsten Morgen ging es dann weiter und zwei Herren der Security-Einheit kamen mit einem Spürhund, welcher ebenfalls das gesamte Haus „durchschnüffelte“, also Esszimmer, Büros, mein Schlafzimmer, die Schlafzimmer der Priester und unser Bad. Nachdem das alles erledigt war, ging es für mich dann auch zur Ausstellung. Als der Präsident dann kam, durfte ohnehin niemand in der Nähe des Pfarrhauses sein. Als alles vorbei war, kamen etliche Soldaten wieder aus ihren Ecken und Büschen hervor, alles wurde verladen und sie verschwanden so schnell wie sie gekommen sind. Die Ausstellung selbst zog sich über fünf Tage, begleitet mit ohrenbetäubenden Ansagen und Musik bis in die frühen Morgenstunden. In Uganda werden Lautsprecher ja ohnehin schon mal doppelt so stark aufgedreht, als in Deutschland, aber bei diesem Fest wäre das natürlich zu wenig gewesen. Ich sag es mal so: Unser Pfarrhaus ist 200 Meter vom Fußballplatz mit der Bühne entfernt und unsere Wände haben gewackelt. Zwischendurch hatte ich mich schon fast gefreut als der Strom ausfiel. Allerdings zu früh, die Veranstalter hatten vorgesorgt und die ganze Technik hing an einem großen Dieselgenerator…  Als dieses Fest vorbei war, hieß es für mich erstmal die nächsten Tage ausruhen und durchschlafen. Mittlerweile empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit für die Gesetze gegen Ruhestörung in Deutschland

Unsere Schulen haben das erste Trimester des neuen Schuljahres nun auch hinter sich und wir haben die Examen fertig korrigiert. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Drama-Wettbewerb zwischen den Häusern der Internatsschüler. Dazu gehörten verschiedene Auftritte mit Singen, kulturellen Tänzen und Schauspiel mit gesanglicher und rhythmischer Untermalung. Viele Essen durfte natürlich auch nicht fehlen, darum wurden, wie üblich auf solchen Festen, gehäufte Teller ausgegeben. Für einen Ugander ist das schlimmste was passieren kann ein Gast, der hungrig nach Hause geht.

Im Healthcare Center geht meine Arbeit wie gewohnt weiter und ich lerne mehr und mehr verschiedene Medikamente auswendig beim Namen und ihrer Dosierung. Am Anfang war das gar nicht so leicht, hier fängt einiges mit „Ce-„ an und hört sich fast gleich an: Cefalexin, Cetrizin, Cefuroxim, Coartem, Cefixim, ihr seht was ich meine… Wenn mal kurz Pause ist oder die Patienten noch in der Weiterbildung sind, fungiere ich gerne mal als Babysitter, vier von sechs Krankenschwestern haben Kleinkinder, die meistens im Pausenraum geparkt werden oder auf dem Rücken der Mutter schon die ersten Berufserfahrungen sammeln. Die Angestellten, die im Wochenplan gerade keinen Dienst haben, kümmern sich dann oft um die Kinder, oder eben ich. Seit einiger Zeit kann ich die kleinen Bälger auch schon auf den Arm nehmen, ohne das Tränen fließen (weiße Haut sieht eben sehr angsteinflößend aus ).

Die Ostertage liegen nun auch hinter uns, was wieder mal eine sehr stressige Zeit war. Messen gehen in Uganda ja ohnehin länger als in Deutschland und die Zeiten sind meist früh morgens oder spät abends, beides nicht unbedingt ein Fall für mich. Um nicht ganz untätig zu sein, habe ich dann unter Regie einer der Schwestern in unserer Gemeinde die Kirche mit Tüchern und Deko für die Festtage geschmückt, wodurch  ich mir einen Platz in der Ansage nach dem Gottesdienst gesichert habe.

So, nun  aber genug getippt für den Moment. Ich hoffe, dass ich nun wieder häufiger zu einem Eintrag komme. Das nächste Mal melde ich mich aber erst mit meinem zweiten Zwischenbericht, der nun im neunten Monat meines Dienstes fällig wird.

Bis dahin alles Gute und danke fürs lesen,

Jonas

2.5.17 20:17
 
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