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Rundbrief Auszug

Liebe Leserinnen und Leser,

mein erster E-Mail Rundbrief ist soeben fertig geworden und ich möchte euch diesen nicht vorenthalten. Wahrscheinlich werden sich einige Dinge doppeln, aber ich denke die neuen Infos sind es wert. Die Bilder habe ich hier weggelassen, aber die, welche noch nicht auf dem Blog sind, kommen bald nach

Viel  Spaß damit!

 

 

Zwischenbericht 1

 

Liebe Verwandte, Freunde, Bekannte, Remshaldener und alle andere Leser/innen, die auf irgend­welchen Umwegen zu diesen Zeilen gekommen sind,

vier Monate habe ich nun schon in Buyoga verbracht. Buyoga, das kleine Dörfchen in der Diö­zese Masaka, Central Region, Uganda, Ostafrika. Da sitze ich nun vor dem Laptop, geniese die letzten Sonnenstrahlen (es ist kurz vor 7, das heißt gleich ist es „zappenduster“ wie jeden Abend, Buyoga ist nämlich ca. 40 Kilometer vom Äquator entfernt), versuche die lauten Vögel und die zirpenden Grillen zu ignorieren und stehe nun vor der unschaffbaren Aufgabe, so viel wie es nur geht vom bisher Erlebten möglichst detailgetreu in diesen Brief zu quetschen. Be­sagten Äquator habe ich in der Zwischenzeit übrigens schon neunmal überquert, mittlerweile denke ich mir nur noch: „Ach, da is er wieder…“ Vorher möchte ich aber noch darauf hinwei­sen, dass dieser Brief, genauso wie meine Blogeinträge, keine Allzweckanleitung für das Land Uganda sind. Viele meiner Erlebnisse treffen nur auf diese Region Ugandas, oder sogar nur auf Buyoga selbst zu. Wenn man ein Stück weiter reist, kann alles schon wieder ganz anders aus­sehen. Zusätzlich kann ich die Geschehnisse hier natürlich nur durch meine Sicht darstellen, was bedeutet, dass mein Bericht von Launen, Gefühlen und von meiner Persönlichkeit geprägt und dadurch abgewandelt ist. Wer eine fehlerfreie Beschreibung für sich selbst sucht, tja, der muss selber herkommen…

Die Ankunft. 13. August 2016, Entebbe Airport. Nach insgesamt über 12 Stunden Flug mal realistisch betrachtet, total kaputt. Das körpereigene Adrenalin schafft es aber irgendwie, mich über Wasser zu halten. Am Ausgang  treffe ich dann auf meine Abholer, die erste Gemeinde­mitglieder von Buyoga die ich getroffen habe: Aquirinous, Felista (welche später meine Luganda-Lehrerin werden sollte), Fr. Dominic Ssengooba (damals wie heute unserer Gemeindepfarrer und mein Ansprechpartner für Alles) und der Fahrer Musomesa Robert Sekajigo Salongo (ich habe es mir nicht nehmen lassen, alle seine Beinamen und Titel zu nennen, sein eigentlicher Name ist nur Robert Sekajigo, Musomesa bedeutet „Geistlicher“ (also jemand, der berechtigt ist, die Outstations der Gemeinde mit Wortgottesdiensten und Gebeten zu versorgen) und Salongo bedeutet „Vater von Zwillingen". Diese Truppe begrüßt mich also herzlichst, verlädt meine Tasche, den Rucksack, die Laptoptasche und meinen Akkordeon­koffer in den vom Gebrauch geprägten Toyota-Combi. Da ich wie ein Kind mit großen Augen durch die Gegend glotze, bemerke ich zunächst natürlich nicht, dass der Beifahrer­sitz links ist, da man Uganda links fährt und der Fahrer somit rechts sitzt. Pfarrer Dominic honoriert diese erste peinliche Aktion mit der sarkastischen Frage „Are you going to drive us?“. Fettnäpfchen No. 1, check. Ich korrigiere also meinen Sitzplatz und dann geht aus auch schon mit recht zügigem Fahrstil auf nach Buyoga, über Bodenwellen, Schlaglöcher und alles was dazugehört. Der Zustand der Straßen erklärt auch den Riss in der Windschutzscheibe des Autos, der von unten links bis nach ganz oben rechts reicht. Es gibt ein paar geteerte Hauptstraßen in Uganda, z. B. die Masaka-Road, von Kampala nach Masaka und weiter nach Tansania, aber der Großteil der Straßen in Uganda besteht aus Erde, die mit etwas Glück alle paar Jahre von Bulldozern und Walzen „nachgeebnet“ werden. Auf demWährend so einer Fahrt fühlt man sich also viel mehr wie in einem Cocktailmixer, was allerdings sehr amüsant ist. Was mir während der Fahrt zu meinem zukünftigen Zuhause sofort aufgefallen ist, ist die Vielfalt an Pflanzen und Bäumen, die unzählbar vielen Bananenplantagen und, dass die Müllentsorgung wohl nicht so ernst wie in Deutschland genom­men wird. Leider wird, vor allem in den Dörfern, der Müll dort weggeworfen, wo er anfällt. So sam­meln sich dann am Straßenrand und vor den Häusern Plastik­müllhaufen, die regel­mäßig abge­brannt werden. Au­ßerdem sind da na­türlich noch die Bodabodas, kleine Motorräder, die stets die erste Wahl für Personen- und Gütertransport sind. Wenn ein Vater seine Familie samt Frau und vier Kindern zur Kirche bringen will, Bodaboda. Wenn ein Kaffeefarmer seine Ernte von sechs großen Säcken Kaffee zum Markt bringen will, Bodaboda. Wenn jemand ein Bodaboda zur Werkstatt bringen muss, weil etwas kaputt ist, den Nachbarn um Hilfe bitten, dass er ihn und sein Bodaboda auf dem Bodaboda des Nachbarn zur Werkstatt fährt (ja, das geht). Als wir also die Masaka-Road verlassen und in die Felder Landschaft einschwenken, in der irgendwo Buyoga liegen muss, sehe ich dann die ersten Dörfer und Trading Centers. Ein Dorf ist in Uganda ein sehr dehnbarer Begriff, darunter zählt gefühlt alles, was mehr als drei Häuser hat, die zusam­men im Umkreis von einem Kilometer liegen. Die Häuser hier liegen längst nicht so dicht zusam­men, wie man es von Deutschland gewohnt ist. Zwischen jedem Haus liegen ja schließ­lich noch der Garten oder Felder. Das was wir ein Dorf nennen, ist hier ein Trading Center, eine Ansammlung von kleinen Läden und Häusern, wo man seine alltäglichen Einkäufe erle­digen kann. Darunter fallen Brot, Butter, Obst und Gemüse, Wasser, Limonaden und Bier, Mehl, Klopapier und natürlich Airtime (Prepaid Guthaben fürs Handy). Wer knapp an Sprit ist, kann in den Trading Centers die Kanister-Tankstellen aufsuchen, erkennt man an einem senk­rechten runden Holzpfahl, bedeckt mit einem waagrechten eckigen Brett. Darauf stehen dann ein Kanister und Cola/Fanta-Flaschen in verschiedenen Größen, je nachdem wie viel man tanken will. Bei uns im Buyoga Trading Center gibt es sogar eine normale Zapfsäule, die uns bekannten Tankstellen findet man eher in den Städten. Allerdings wird in Uganda „andersrum“ getankt. In Deutschland tankt man eher voll oder eine bestimmte Menge Liter. In Uganda sagt man dem Tankwart, wie viel Geld man für Sprit bezahlen will und der stellt die Zapfsäule dann darauf ein. Dann wird getankt bis die Uhr ganz auf null gelaufen ist. Damit braucht man dann auch kein Wechselgeld und der Kunde drückt den Schein in die Hand und kann gehen. Der Grund dafür? Schon mal versucht eine Rechnung in Höhe von 2.519 Schilling zu bezahlen, wenn die kleinste Münze 50 Schilling ist? Darum werden hier lieber 3,481 Liter getankt, dem Motorrad ist das egal. Der Wechselkurs beträgt übrigens etwa 3750 Schilling für einen Euro. Es war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig mit einem 5.000er Schein zum Kiosk zu laufen, um Brot zu kaufen.

 

Die Wohnbedingungen in Uganda sind auch ein ganzes Stück anders. In jedem Haus gibt es traditionsgemäß einen sogenannten „Sitting-Room“, am besten vergleichbar mit dem deutschen „Wohnzimmer“. In Uganda findet sich dieser Raum aber direkt hinter der Haustür, da er zur Begrüßung von Besuchern und deren Aufenthalt dient. Dieser Raum ist meistens der bestausgestattete und meist umsorgte Raum eines Hauses. Dort finden sich viele Bilder von Familienangehörigen, Sessel und Sofas, Teppiche und alles was einer behaglichen Stimmung zu Gute kommt. Wenn Besucher kommen, dürfen diese auf genannten Sesseln/Sofas platz­nehmen, bekommen ein Getränk oder Essen und dürfen in ein Gästebuch schreiben, das in jedem Privathaus, Büro, Sekretariat, Pfarrhaus und überall zu finden ist. Das praktische von solch einem Buch, der Besitzer kann jederzeit Datum, Email-Adresse oder Telefonnummer eines Besuchers heraussuchen. Häuser sind meist ein ganzes Stück kleiner als in Deutschland. Oftmals lebt eine Familie mit mehr als 4 Kindern in einem Häuschen mit 3-4 Zimmern. Gekocht wird meisten sowieso draußen. Die allermeisten Häuser sind aus den rot/orangen Lehm­ziegeln gemauert, die hier in jedem Feuchtgebiet oder jedem Dörfchen massenhaft geformt und gebrannt werden. Doch nun etwas zu meiner eigenen Wohnsituation. Dadurch, dass ich im Pfarrhaus wohne, ist die Situation schon um ein gutes Stück besser, als die der normalen Dorfbevölkerung, was noch lange nicht heißt, dass ich wie in Deutschland lebe. Zu meiner Zimmerausstattung gehört ein Bett, eint Tischchen, ein Stuhl, ein Waschbecken und fünf Kleider­bügel mit entsprechenden Nägeln in der Wand. Mein Kleiderschrank ist meine Reise­tasche/eine Schnur/ein Haken an der Tür, aber man kommt ganz gut damit zurecht. Da bei meiner Ankunft in Buyoga noch ein Raum im Pfarrhaus unbenutzt war, habe ich auch noch mein eigenes Büro bekommen, was sich als extrem nützlich und ange­nehm heraus­gestellt hat. Das be­deutet nochmal ein Tisch, ein Stuhl und zwei Bänkchen für Besucher. Da ich aber eher selten Besucher habe, nutze ich meine Büro­bänkchen als Stauraum Ich denke man kann sich dennoch vorstellen, wie übersichtlich es hier aussieht.

Nun möchte ich euch aber mehr über meine Arbeit in Buyoga erzählen. Momentan sind wir in den Ferien, das heißt meine Arbeit in der Schule ist pausiert. Ansonsten bin ich aber zweimal wöchentlich in der Uganda Martyrs Senior Secondary School anzutreffen und unterrichte dort vier Schulstunden Physik in der Woche. Wie viele Schulen in Uganda könnte auch diese etwas Geld gut gebrauchen. Einige Gebäudeteile sind baufällig, Räume sind knapp und Unterrichts­material ist nur bedingt vorhanden. Die Schüler sitzen teilweise zu viert auf einer 1,5 Meter langen Schulbank, die Tafel (eher der „Tafelbelag“, der an die Wand gegipst ist) hat Risse und Löcher, denen man beim Schreiben ausweichen muss und ich kann mich glücklich schätzen, wenn jeder Schüler einen eigenen Stift dabei hat. Kurz gesagt, es mangelt an allem. Wenn es nicht anders geht, teilen die Schüler ihr Heft auf zwei Fächer auf, um Geld zu sparen. Sowohl im Unterricht, als auch während Klassenarbeiten, werden farbige Stifte und Lineale durch den Raum geworfen, je nachdem wer gerade ein Diagramm zeichnen muss. Da es nicht viele Mate­rialien gibt, die mir bei der Veranschaulichung von Versuchen von Themen oder Versuchen helfen könnten, ist oftmals schauspielerisches Talent gefragt. So ist es gut möglich, dass ich gerade versuche ein Lichtbündel, eine Taschenlampe, den Mond oder einen Spiegel darzu­stellen, wenn man das Klassenzimmer betritt. Nebenbei stelle ich die Zwischen- und Abschlussexamen über meine Themen zusammen und helfe dem Physiklehrer, mit dem ich zusammenarbeite, bei der Korrektur aller Klassen.

Weiter geht es mit dem Healthcare Center Buyoga. Unsere Gemeinde verfügt über eine kleine Kranken­station mit zwei Ärzten und einigen Angestellten. Für kleinere Blessuren, Malaria und die meisten Medika­mente können Patienten hierher kommen. Einmal wöchentlich findet dann auch HIV/Aids-Medizin­ausgabe statt. Jeder HIV-Kranke regis­triert sich im nächstliegenden Healthcare Center. Einmal wöchent­lich erhalten die Patienten dort eine Schulung über Krankheit und Be­handlung statt, die Patienten wer­den gewogen und gemessen, um die Dosis der Medikamente anzupassen, es wird nach Zeitplänen eine Blut­probe abgenommen, jeder Patient geht zu einer kurzen Einzel­untersuchung zu einem der beiden Ärzte und bekommt dann schließlich seine Medikamente, wo ich ins Spiel komme. In der Ausgabe arbeite ich zusammen mit zwei anderen Ange­stellten. Wir tragen die Patienten ins Anwesenheitsbuch für den nächsten Termin ein, entnehmen den Akten Art und Anzahl der Tabletten, geben zusätzlich benötigte Medikamente aus und führen Buch über die Ausgabe. Bei durchschnittlich 40 Patienten kann sich das schnell über sechs Stunden Arbeit ziehen. Während der gesamten Zeit ist natürlich Konzentration gefordert, da jeder Patient ein anderes Krankheitsbild hat, andere Medikamente braucht oder Unverträglichkeiten hat. Ab und zu diene ich dann auch mal als „Springer“, bekomme eine Liste mit Medikamenten und bringe diese vom Lager zur Ausgabe, je nachdem was gerade gebraucht wird. Während der gesamten Arbeit sehen mir die anderen Angestellten natürlich stets über die Schulter, alleine kann ich hier natürlich nichts ausgeben und ab und an muss ich mich bei jemandem auch etwas durch­fragen, wie was gemacht wird. Bevor wir am Dienstag die Medikamente ausgeben, ist aber noch einiges an Vorbereitung gefragt. Darum ist meine Aufgabe jeden Montagmorgen, mein geliebtes/gehasstes Standardmedikament „Cotrimoxazole“ abzuzählen und einzupacken. Dieses Medikament wird an die meisten Patienten ausgegeben und dient der Vor­beugung von Krankheiten. Geliefert wird es in großen Dosen mit je 1.000 Tabletten, ausgegeben wird es aber in kleinen Plastik­tüten, beschriftet mit Datum und Anzahl, meist zu 65er Päckchen. Da die Abstände zwischen den Besuchen aber nicht immer gleich sind, wird auf das Mittel abgezählt und bei der Ausgabe dann durch abziehen/dazuzählen angepasst. Montags steh ich dann vor dem Tisch mit (meistens) vier Dieser Packungen. Für 4.000 Tabletten benötige ich mittlerweile nur noch 2,5h Stunden, ich werde besser. Dennoch, die Zahl „65“ ist wohl für immer in meinem Hirn eintätowiert, daran wird sich so schnell nichts ändern.

Immer dann wenn ich kein fest Programm habe, helfe ich in der Gemeinde mit wo es geht. Sei es Garten hacken, Gestrüpp bekämpfen, Schreinere entstauben und aufräumen, Kaffee trocknen oder einen Zaun reparieren, was ebenso ansteht. Dabei bin ich meistens mit „Kojja“ unterwegs, er ist der Hauptangestellte der Gemeinde, was die praktischen Aufgaben angeht, das heißt er ist verantwortlich für Kühe, Schweine, Ziegen, Kaffee- und Bananenplantagen und Reparaturen. Sein eigentlicher Name ist John Bosco Kawess, er wird aber von allen „Kojja“, also „Onkel“ gerufen, was ich eigentlich auch ziemlich passend finde.

Da meine Entsendeorganisation in Deutschland die KAB (Katholische Arbeitnehmer Bewe­gung) Remshalden ist, stehe ich auch in engem Kontakt mit der Partnerorganisation, der CWM (Catholic Workers Movement) Buyoga. Wenn sich die Meetings der CWM nicht mit den Terminen im Healthcare Center überschneiden, nehme ich auch daran teil. Eine Zeit lang habe ich einem der Mitglieder bei einem Projekt mitgeholfen, wir haben zwei Wochen an einem Hühnerstall für etwa 500 Legehennen gearbeitet. Dort konnte ich meine handwerklichen Kenntnisse von Zuhause miteinbringen, habe gleichzeitig aber auch einige Tipps und Tricks der Arbeiter hier aufge­schnappt. Die Hand­werker sind hier mit einer Handsäge und einer Ma­chete etwa genauso schnell, wie wir Zuhause mit einer Kreissäge oder einem elektrischen Hobel. In wenigen Sekunden werden hier Stämme und Streben auf Länge und in passende Form gebracht, alles mit purer Muskel­kraft.

Weiter geht es mit der Sprache. In der Region Ugandas, in welcher ich lebe, wird Luganda ge­sprochen. Luganda ist in Uganda die meist verbreitete Sprache und wird vom Großteil der Bevölkerung genutzt. Ich selbst versuche mir besagte Sprache so gut wie möglich anzueignen, stoße dabei aber schnell an meine Grenzen. Das positive an dieser Sprache, die Vokale werden annähern gleich wie im Deutschen ausgesprochen, das heißt ich bin um einiges besser im Luganda Lesen als im Sprechen. Da  die Amtssprache in Uganda Englisch ist, habe ich dennoch keine großen Probleme, mich zu verständigen. Vor allem Schüler und junge Leute können sich sehr gut auf Englisch ausdrücken. Nur bei einigen Erwachsenen und älteren Leuten muss ich dann doch mal auf Kommunikation mit Händen und Füßen zurückgreifen.

Und nun noch etwas zu Kirche und Religion. Was beim Sonntagsgottesdienst sofort auffällt, die Kirche ist voll. Buyoga ist wohl vergleichbar mit meiner Heimatgemeinde, auch die Größe der Kirche ist etwa dieselbe. Doch während in Baustetten einige Reihen nicht ganz voll werden oder sogar ganz leer bleiben, ist hier in Buyoga in der Regel kein Sitzplatz mehr frei, und man sitzt eng, sehr eng. Ein weiterer Unterschied, hier hat man jeden Tag die Möglichkeit einen Gottesdienst zu besuchen, manchmal sogar mehrmals täglich. Natürlich gibt es, wie in Deutschland auch, sogenannte „U-Boot Christen“, die nur zu den Hochfesten „auftauchen“, doch die Basis an Kirchgängern ist doch um einiges fester. Nebenbei spielt der Glaube im all­täglichen Leben und bei der Arbeit eine viel größere Rolle. Während man im deutschen Gottes­dienst meist von der Orgel begrüßt wird, finden sich in Uganda Trommeln, Rasseln und ganz viel Gesang wieder. Das Nichtvorhandensein einer Orgel stellt für die Ugander allerdings überhaupt kein Problem dar. Was bei uns die Orgel zur Harmonie dazu liefert, wird in Buyoga von verschiedenen Gesangsstimmen übernommen. Oft gibt es einen Chor, doch selbst ohne, Teilt sich die Gemeinde selbstständig ein, alles ohne Dirigent und Liederbücher. Das ganze wird dann von den sogenannten „Big Five“, den fünf verschiedenen Trommeln untermalt. Es sind zwar nicht jedes Mal fünf,  aber einen großen Unterschied macht das nicht. Dazu wird fröhlich geklatscht, gerasselt, getanzt und manchmal auch gejubelt. Musikalisch gesehen kön­nen wir uns da noch einiges abgucken! Der Gottesdienst wird in der Regel auf Luganda gehal­ten, doch der Ablauf ist glücklicherweise gleich, das heißt ich kann ganz gut inter­pretieren, was gerade ge­betet/gesagt wird. Da es hier kein Kirchenblatt gibt, wird nach dem Sonntag noch alles Wichtige verlesen, sei es wel­cher Pfarrer wo Dienst hat, Gemeindefeste, Treffen und weitere Neuigkeiten. Das ganze zieht sich dann nochmal etwas 20 Minuten. Insgesamt geht der Gottesdienst dann etwa zwei Stunden, doch ein gutes Stück länger als in Deutschland. Das ganze steigert sich nochmal, wenn es dann um eine Taufe oder Firmung geht. Bei der letzten Taufe waren wir nach ca. 50 Kindern und etwa vier Stunden fertig. Ein anderes Mal, die Firmung zusammen mit Erst­kommunion hat auch etwa vier Stunden gedauert. Jetzt wo Weihnachten vor der Tür steht, wappne ich mich schon mal für die Messe an Heilig Abend. Ich bezweifle, dass ich an diesem Abend vor 11 Uhr aus der Kirche marschiere.

Um langsam zum Ende zu kommen, jetzt noch etwas zum Blick in die Zukunft. Da wir gerade noch mitten in den Ferien sind, habe ich zurzeit viele freie Stunden. Jetzt heißt es also erstmal abwarten und schauen, wie die Feste in Uganda ablaufen. Ab Januar stehen wieder ein paar handwerkliche Beschäftigungen im Trading Center in Aussicht, wo ich hoffentlich etwas mit­helfen kann. Wenn der Zeitplan es möglich macht, bin ich ab Februar wieder in der Seconary School anzutreffen. Unabhängig davon geht es natürlich in der Krankenstation weiter, wo ich versuchen will, etwas mehr Zeit zu verbringen. Im Februar gibt es für mich aber nochmal eine Zwangspause, das Freiwilligenteam von Uganda hat dann eine Woche lang ein Zwischen­seminar mit den Freiwilligen in Kenia, was Möglichkeit zum Austausch und Kraft tanken bieten wird.

Wer gerne fest in den Rundmail Verteiler dieser Briefe aufgenommen werden will, darf mir gerne eine Mail schreiben. Falls jemand mit mir direkt Kontakt aufnehmen will oder Fragen hat, einfach eine E-Mail an jonas@familie-schick.info senden. Nun bleibt mir nur noch euch allen und euren Lieben gesegnete und frohe Weihnachten und anschließend einen guten Start ins neue Jahr zu wünschen. Ich bedanke mich für die Zeit, die ihr in das Lesen meiner Berichte investiert und die Unterstützung, die ich dadurch erfahre. Mit vielen Grüßen aus Buyoga,

Jonas Schick

 

22.12.16 21:27
 
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